„Haltet das Schaf!“, oder: Von der bemühten Unfähigkeit, den Duden zu deuten.

„Was der Mann im Bett oder sonstwo treibt, geht niemanden etwas an und hat im Diskussionsforum einer seriösen Tageszeitung genau nichts zu suchen. Derartiges gehört zensiert, nicht publiziert (weshalb hier auch keine Namen genannt werden).“

Obiges fand sich 2010 in der „Wiener-Zeitung“ (hier), verfaßt vom selben Autor, der sechs Jahre später (dort) behauptete: „Erstens: Zensur kann definitionsgemäß nur der Staat oder ein Staatsorgan ausüben.“

Entweder wähnte sich der Verursacher dieses mentalen Beckenbodenbruchs 2016 selbst als Staat respektive Staatsorgan, oder er fand jahrelang den Duden nicht, aus dem seinen Sinneswandel betreffend „Zensur“ begründend zu zitieren er sich mühte: „….von zuständiger, besonders staatlicher Stelle vorgenommene Kontrolle“.

Die Lesart,  (a) das Komma im entsprechenden Dudeneintrag zwischen „zuständig“ und „besonders“ sei als „oder“ zu interpretieren, sowie (b) das „besonders“ im Sinne von „insbesondere“, sprich „hauptsächlich“, muß dem Helden der gelebten Doppelstandards mit trefflicher Ignoranz für sein eigenes Geschwätz von 2010 offensichtlich unbewußt gedämmert haben, schob er doch seinem in argumentativer Agonie versickernden „Erstens“ zwecks versuchter Bekräftigung noch fünf weitere Punkte von vergleichbarer Stringenz nach.

Apropos Nachschieben: Das irrlichterenden Schaf, welches 2016 besagten Erstens-bis-Sechstens-Artikel auf „Fisch&Fleisch“ abschloß mit den Worten: „Danke im Vorhinein, Ihr Zensor“, hatte nicht den Arsch in der Hose, diesen Text speziell dort zur Debatte zu stellen, wo er selbst als Axt im Meinungswald operiert, nämlich in seinem eigenen Diskussionsforum, dem Zentralorgan des Scharade-Liberalismus.

Geradlinigkeit eines Korkenziehers und Feigheit — vereint in einer Figur, die Robert Misik 2009 als „Austrias Smartest Neocon“ titulierte. Fast wollte man schließen: „Schicksal, verschone uns von Leuten, die von Linken ’smart‘ geheißen werden. Danke im Vorhinein!“

 

 

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Vom gespiegelten Speichel, oder: Wie das Unappetitliche noch gesteigert wird

Zitat: Die Massnahme hat den Publizisten Henryk M. Broder prompt an die Geschichtsschreibung «sowjetischer Zensoren» erinnert, wie er in der Zeitung «Die Welt» schrieb.

So stand es in der NZZ, und dorthin wiederum verwies OrtnerOnline mittels: „Der Bestseller, der keiner sein darf“, ergänzt um den Textauszug: „Noch unappetitlicher ist es, das Buch einfach aus der Liste zu streichen“.

«Der Speichel», inzwischen auch «Zerrspiegel» genannt und früher im Umlauf als das Hamburger Wochenmagazin «Der Spiegel», kickt also Rolf Peter Sieferles «Finis Germania» von der hauseigenen Spiegel-Bestellerliste, und jeder, dessen Verstand noch nicht von linker Propaganda angekränkelt ist, urteilt darüber sinngemäß so, wie der eingangs zitierte Broder. Viele Leute tun das öffentlich, wobei ausgerechnet auf OrtnerOnline, dem Blog gewordenen Herold der Redefreiheit, hinter den Kulissen exakt dasselbe stattfindet.

Lieber Herr Ortner, der letzte Absatz des NZZ-Artikels ist speziell Ihnen gewidmet, schreiben Sie ihn sich hinter in Ihr persönliches Zentralorgan: „Warum nur halten es manche so schwer aus, dass ihre eigenen Gedankengebäude und ihre offenbar für unangreifbar gehaltenen Überzeugungen angezweifelt werden? Warum streitet man nicht, warum diskutiert man nicht, warum macht man sich nicht daran, das Verachtete zu widerlegen, anstatt vom hohen Ross aus Geringschätzung zu zeigen? Es zu negieren und voreilig aus dem demokratischen Diskursfeld zu entfernen, ist ein Armutszeugnis.“

Flächendeckende Fehlinformation, oder: Was sind ‚Right-Wing Libertarians‘

Eine Posterin bei OrtnerOnline führte hier aus:

Der naive Zeitgenosse gewinnt den Eindruck, daß es nicht nur unvollendete Revolutionen, sondern auch – noch? – nicht so ganz geglückte Kapitalismen gäbe („Misinforming the Majority: A Deliberate Strategy of Right-Wing Libertarians“)
(Herr Ortner ist gewiß so liberal&charmant dies nicht zu löschen)

(Daß Ortner in seinem Forum zum Radiergummi greift, wenn es an’s Eingemachte geht, dürfte sich inzwischen also schon rumgesprochen haben. Das aber nur am Rande.)

Zum Thema selbst und als Replik auf die oben aufgeworfene Frage, wie sehr finanzstarke Kapitalisten die Gesellschaft manipulieren, festgemacht exemplarisch von Nancy MacLean’s Kritik an den Koch-Brüdern in den USA: Weiterlesen „Flächendeckende Fehlinformation, oder: Was sind ‚Right-Wing Libertarians‘“

Weibliche Mohammedaner in SS-Uniformen, oder: Die Obszönität der Antideutschen

Kaum zeigt man die Verbindung auf zwischen den „Antideutschen“ rund um deren Sprachrohr Stephan Gigrat auf der einen Seite und Neocons auf der anderen, setzt postwendend Christian Ortner wie auf Bestellung mit seinem in der Wiener-Zeitung erschienen „Obszön, nicht religiös“ den empirischen Stempel unter diese Beobachtung.
Weiterlesen „Weibliche Mohammedaner in SS-Uniformen, oder: Die Obszönität der Antideutschen“

Fake-Opposition reloaded

„Ich bin immer wieder überrascht, welche Artikel hier verlinkt werden.“

So äußerte sich eine Posterin im Forum zu Ortners Blogeintrag vom 12ten Juli 2017 und begründete ihre Überraschung mit einem Zitat aus dem verlinkten Artikel der „Welt“: „Am rechten Rand ist es prinzipiell nicht anders.“

Eine konzise Replik auf diese artikulierte Überraschung: Solange Augsteins „Freitag“ und Joffes „Welt“ die medialen Flanken des öffentlichen Diskurses in der breiten Mittelschicht bilden, solange stellen erkannte Irritationen wie eben bloß ein ausgesprochenes Minderheitenprogramm dar. Weiterlesen „Fake-Opposition reloaded“

Wie man sich einen Globus schnitzt

‚Je globalisierter, desto besser‘, meldet das neokonservative Zentralorgan, und wer dabei Bilder milliardenfach untereinander Handel treibender Erdenbürger vor Augen hat, wider deren freiwillige Entscheidungen im Juni 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg eine Horde Chaoten demonstrierend eine Schneise der Verwüstung zog, der mag dabei nur zu rasch der falschen Fährte auf den Leim gehen.  Warum?

Die Debatte leidet an einer unzulässigen Gleichsetzung von Globalisierung mit Globalismus. Weiterlesen „Wie man sich einen Globus schnitzt“

Zu 9/11 und MH17, oder: „Was Christian Ortner nicht in seinem Forum lesen will“

Am 6ten Juni 2017 schrieb Ortner den Blogeintrag: Strafprozess zu MH17-Abschuss in Niederlanden.

Im Forum wurden daraufhin unter anderem zwei bestimmte Postings eingebracht, eines wurde sofort online gestellt und Stunden später gelöscht, das zweite hing öffentlich uneinsehbar in der Moderation und wurde hernach ebenfalls entfernt. Nachfolgend der komplette Text beider Beiträge:


sokrates9: „Für mich einer schöner Beweis, dass Technik, Physik und entsprechende rationale Argumentation heute in der postfaktischen Zeit überhaupt keine Rolle mehr spielen!“

Die Geburtsstunde der postfaktischen Zeiten schlechthin war 9/11. Die zweifelsfreien Tatsachen: Vier Flugkörper, vier beschädigte Gebäude (beide Türme der Twintowers, WTC7, Pentagon), ein ‚Wrack‘ auf freiem Feld in der Nähe von Pittsburgh.
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Lenin: „The best way to control the opposition is to lead it ourselves.“

Frage: Was ist eigentlich ist aus jenen Europäern geworden, die 2009 für „Libertas“ auf EU-Ebene antraten?

Antwort: Das Ganze stand und fiel mit dem Vertrauen in dessen Frontmann Declan Ganley. So sehr er überzeugend für ein irisches „No to Lisbon“ eintrat, so sehr war seine Alternative ganz nach dem Geschmack der Oligarchie, nämlich total demokratische ‚United States of Europe‘, wie sie auch die ‚Föderalisten‘ im Geiste Spinellis, notorische Thinktanks mit ‚EU als Republik‘ oder aktuell die Neos in Österreich propagieren. (Lesen Sie selbst, was Declan Ganley mit seinen eigenen Worten formuliert vorschwebt und wie das exemplarisch rezipiert wurde.)

Wenn Sie meinen, Ganleys Vorstellung von Selbstbestimmung im neu zu gründenden Superstaat sei bizarr, dann versuchen Sie mal, das intellektuelle Radschlagen des neoliberalen Christian Ortner nachzuvollziehen, wenn er anregt: „Lasst uns Europa doch einfach auf den Kopf stellen!“ — Die EU ist (sinngemäß) zwar völlig verkorkst, es ist aussichtslos, für die ‚ever closer Union‘ demokratische Mehrheiten zu finden, also solle an die Stelle der immer engeren Union eine Alternative treten. Bis hierher kann der aufmerksame Leser kein Haar in der Suppe finden.

Wie sieht die Alternative nach Ortners Geschmack aus? Weiterlesen „Lenin: „The best way to control the opposition is to lead it ourselves.““

Zensur auf OrtnerOnline.at

Herr Ortner,

Erfreulich, daß Sie nach Monaten des Schweigens doch noch Gelegenheit fanden, sich zu äußern. Sie schrieben: „Sie haben Hausverbot auf ‚OrtnerOnline‘. Da Sie dies missachten, werden Ihre Beiträge automatisch gelöscht..

Das ist völlig unstrittig, schrammt aber als Erklärungsversuch diametral an dem vorbei, was man betreffend Redefreiheit an Ihrem Vorgehen kritisiert. Zugleich begründet es nicht, weshalb nachträglich, also definitiv nicht automatisch, bereits veröffentlichte Beiträge wieder händisch gelöscht wurden, ein Umstand, den ich sinngemäß an stalinistische Säuberung von Archiven erinnernd beschrieb. Weiterlesen „Zensur auf OrtnerOnline.at“