Zensur auf OrtnerOnline.at

Herr Ortner,

Erfreulich, daß Sie nach Monaten des Schweigens doch noch Gelegenheit fanden, sich zu äußern. Sie schrieben: „Sie haben Hausverbot auf ‚OrtnerOnline‘. Da Sie dies missachten, werden Ihre Beiträge automatisch gelöscht..

Das ist völlig unstrittig, schrammt aber als Erklärungsversuch diametral an dem vorbei, was man betreffend Redefreiheit an Ihrem Vorgehen kritisiert. Zugleich begründet es nicht, weshalb nachträglich, also definitiv nicht automatisch, bereits veröffentlichte Beiträge wieder händisch gelöscht wurden, ein Umstand, den ich sinngemäß an stalinistische Säuberung von Archiven erinnernd beschrieb.

Ortner: „Sollten Sie Dritten gegenüber tatsachenwidrige kreditschädigende Äusserungen („Niedergang des Blogs“ etc.) tätigen behalte ich mir rechtliche Schritte vor.

Vor Wochen enthielt ein „Brief an C.O.“ den Satz: „Laut Alexa.com ist ortneronline.at bedeutungsmäßig am absteigenden Ast, während alle anderen halbwegs liberalen und bürgerlichen Sites in Österreich und Deutschland regelrecht brummen.“

Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann sich jeder hier selbst ein Urteil bilden. Ob Sie persönlich meine Einschätzung teilen, daß Ihr Forum zunehmend an seichte Chat-Plätze erinnert und hierfür exemplarisch Blogeinträge der Preisklasse „EU killt Zwerghirsche“ kausal sind, ob Sie einverstanden sind, wonach ich all dies per halböffentlicher Mail-Debatte oder sonstwo thematisiere und zugleich einen weiteren Grund für den Niedergang anspreche, nämlich Ihre private Zensur mit unguten Konsequenzen für Ihren Blog, tangiert mich nicht, infolgedessen auch kein Vorbehalt rechtlicher Schritte dagegen.

Bei Tageslicht betrachtet wäre sogar eine von Ihnen initiierte juristische Aufarbeitung der Frage, wie es in Österreich mit der Redefreiheit bestellt ist und wie sich diesbezüglich bekannte, der Selbstdeklaration nach ‚liberale‘ Persönlichkeiten positionieren, ein begrüßenswertes Unterfangen, das sich etwa auf einem neu eingerichteten Blog unter „briefean.co.at“ begleiten ließe. Solch ein eigentümliches Joint-Venture hätte schon seine Reize und adressierte zugleich Ihre Aufforderung:

Ortner: „Schicken Sie mir keine weiteren Mails.

Das stellt mich aktuell vor ein Dilemma, wähnte ich doch in Ihrem Interesse, Sie als „Zentralorgan“ (pardon the pun) in die Erörterung miteinzubeziehen, anstatt daß Sie anderwärtig und eher zufällig davon erfahren. Falls Sie interessiert sind, hinkünftig über alternative Kommunikationspfade am Ball zu bleiben, lassen Sie es mich wissen, nachdem ich Ihrem Begehren gerne nachkomme, diese letzte Mail aus plausiblen Gründen ausgenommen.

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