Vom monströsen Vermasseln

Herr Ortner,

An Daniel Kehlmanns jüngstem Artikel über Donald Trump im Duktus der aktuell aus allen Rohren feuernden Hysteriker läßt sich sachlich und entspannt oder auch polemisch Vielerlei kritisieren, ins Lächerliche jedoch querschlägt der rhetorische Donnerbolzen, mit dem Sie als psychologischer Laie darüber mutmaßen, mit welch fehlender Berechtigung ein anderer Küchentisch-Amateur, nämlich Kehlmann, den jüngst gewählten US-Präsidenten psychologisch klassifiziert und welche finale Absicht dem zugrunde liegt.

Zwei Fliegengewichte im öffentlichen Schlamm-Catchen, kaum der Rede wert, käme nicht ausgerechnet der erbärmlichste Untergriff dabei von Ihnen, wenn Sie mit der in Ihrer Kritik zentralen Behauptung auffahren, Kehlmann spräche mit der Wortwahl ‚Monster‘ einem Trump die Menschlichkeit ab und stelle diesen in nationalsozialistischer Manier einem Ungeziffer gleich.

Die Welt braucht ein Amerika, das Monster jagt…“ — So stand´s am 8. September 2013 in Ihrem „Zentralorgan des Neoliberalismus“; zustimmend verwiesen wurde dabei auf einen Artikel der „Welt“, der mit den Worten endet: „Assad ist eines jener vielen Monster der Alten Welt, die zu jagen nach Auffassung von John Quincy Adams nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten sein sollte. Das Problem ist: Wenn die USA dieses Monster nicht jagen oder mindestens in die Schranken weisen, dann wird es auch niemand sonst tun.

Herr Ortner, wie halten Sie selbst es mit ‚Ungeziffer‘ und daran anknüpfend dem von Ihnen rezent monierten „Stürmer“-Sound? Der eine übt sich in zulässig dick aufgetragener Bildsprache, während der andere in Frakturschrift einer Entmenschlichung das Wort redet — wollen wir uns auf diesen Double-Standard einigen, und falls ja, auf die kausalen psychologischen Hintergründe hierfür?

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